Fischerschöpfungstag – fish dependence day

Ende Jänner pendelt sich in Österreich der sogenannte Fischerschöpfungstag (fish dependence day) ein. Das ist ein Gradmesser für die Selbstversorgung eines Landes mit Fisch und gibt an, wann die heimischen Fischressourcen laut Statistik rein rechnerisch verbraucht sind. In Österreich werden pro Kopf rund 8kg Fisch pro Jahr verspeist. Im Vergleich mit unseren europäischen Nachbarn ist das vergleichsweise wenig. Der Selbstversorgungsgrad mit heimischem Fisch liegt dennoch nur bei rund 8% – der Rest muss importiert werden.

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Forellenanlage

© ÖVFA

Teichwirtschaft

© White Panther Produktion GmbH.

Indoor Aquakultur

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Heimischer Fisch hat großes Potenzial

Die heimische Fischbranche hat deshalb – sowie aufgrund der hohen Produktqualität, der nachhaltigen Bewirtschaftung und daraus resultierender Mehrwerte für die Gesellschaft aber auch der kontinuierlich leicht steigenden Nachfrage – großes Potenzial. Sie ist eine landwirtschaftliche Branche mit Zukunft.

Gleichzeitig stehen heimische Forellenzücher:innen, Teichwirt:innen, Betreiber:innen von Kreislaufanlagen und Seenfischer:innen vor herausfordernden Bedingungen. Diese sind vielfältig und reichen von geänderten Klimabedingungen – wie Hochwasser, Temperaturanstieg des Wassers und Reduktion von Niederschlägen – über Zielkonflikte zwischen Wasserrahmenrichtlinie und nationalen und EU-Aquakulturzielen bis hin zu massiven teils existenzbedrohenden Fischverlusten durch Fressfeinde wie Fischotter, Frischreiher und Kormoran.

Aus all diesen Gesichtspunkten heraus lud die steirische Agrarlandesrätin Simone Schmiedtbauer anlässlich des Fischerschöpfungstages zu einer Pressekonferenz (Link zum ORF-Beitrag). Dabei ging es um Eigenversorgung mit heimischen Lebensmitteln und Versorgungssicherheit, Wertschöpfung und Arbeitsplätze, Rahmenbedingungen und Prädatorenmanagement (= Umgang mit Fressfeinden), Regionalität und Herkunftskennzeichnung. Schmiedtbauer nannte die heimische Fischerei und Aquakultur als „echte Zukunftsfelder für unsere Landwirtschaft“.

Seitens der Branche waren Eva Keferböck – stellvertretende Obfrau des Österreichischen Dachverbandes für Fischereiwirtschaft und Aquakultur (ÖVFA), Obfrau des Österreichischen Indoor Aquakultur Vereins (ÖIAV) und Geschäftsführerin von „White Panther – die steirische Gebirgsgarnele“ – und Marlies Haas – Geschäftsführerin des Steirischen Teichwirte- und Fischzüchterverbandes, nationale EU-Aquakulturbotschafterin sowie leidenschaftliche Teichwirtin in der Teichwirtschaft Saaz – mit dabei.

Eva Keferböck betonte, dass bessere Bedingungen durch innovative, nachhaltige Lösungen nötig sind, um die heimische Fischzucht zu stärken und die Eigenversorgung auszubauen. Gleichzeitig hob sie die wirtschaftliche Realität der Betriebe in den Fokus und die Notwendigkeit, dass Familien von der Fischzucht leben können müssen. Marlies Haas hob die verantwortungsvolle Arbeit der heimischen Fischhalter und den hohen Qualitätsanspruch hervor, wodurch regionaler Fisch als hochwertiger Eiweißlieferant entsteht. Ganz im Zeichen von „Teiche sind Teil der Lösung“ halten bewirtschaftete Teiche Wasser in der Landschaft zurück, puffern Hochwasser ab, verbessern das Mikroklima und liefern zugleich hochwertige, gesunde Lebensmittel.

Auch beim Fachtag Fischereiwirtschaft im Rahmen der Wintertagung des Ökosozialen Forums standen vorige Woche aktuelle Entwicklungen und Zukunftspotenziale der Branche im Fokus. Das reichte von Wassermanagement und Biodiversität hin zu innovativen Ansätzen in der Produktion und Vermarktung. Betriebsvorstellungen, Austausch und Vernetzung rundeten das Programm ab.

„Unsere heimische Aquakultur und Fischereiwirtschaft ist eine Schnittstelle von Landwirtschaft, Ernährung, Klima, Wasser und Biodiversität. Deshalb freut es mich sehr, dass unsere Branche immer mehr in den Fokus rückt, weil in unseren Systemen viele Antworten auf die Fragen unserer Zeit liegen. Ich möchte mich hier ganz herzlich bei Agrarlandesrätin Simone Schmiedtbauer für ihr Engagement bedanken. Ebenfalls bedanken möchte ich mich bei meinen Branchenkolleginnen Eva Keferböck und Marlies Haas für ihren Einsatz sowie bei allen Verbands- und Branchenmitgliedern, dafür, dass wir so aktiv gemeinsam und nachhaltig in die Zukunft gehen. Abschließend auch ein großes Dankeschön an Sektionsleiter Johannes Fankhauser, dafür, dass die Anliegen der heimischen Fischbranche im Ministerium Gehör finden und das Ministerium sich klar hinter den nationalen Strategieplan Österreichs für die Aquakultur und Fischerei stellt“, freut sich Bundesobmann des Österreichischen Verbandes für Fischereiwirtschaft und Aquakultur Markus Payr über das Engagement, die Sichtbarkeit sowie die Wertschätzung in der heimischen Fischbranche. Und er ergänzt: „Schön, dass wir gemeinsam an einem Strang ziehen.“

INFOBOX zur österreichischen Fischereiwirtschaft und Aquakultur

Der Verband vertritt als Dachorganisation die Interessen der österreichischen Fischereiwirtschaft und Aquakultur. Die Branche gliedert sich in die Sparten Forellenproduktion, Karpfenteichwirtschaft, Indoor-Aquakultur und Seenfischerei. Bei Forellen und Karpfen gibt es auch Bioproduktion. Dadurch sind traditionelle Systeme wie Durchflussanlagen, Teichwirtschaft und Binnenfischerei bis hin zu modernen Indoor-Kreislaufanlagen für Wels oder sogar Garnelen vereint. Diese teils unterschiedlichen Systeme verbindet das Wasser und der Fisch aber auch die Leidenschaft der Menschen, die mit dem Wasser wirtschaften.

Die Fischbranche in Österreich ist eine kleine – aber feine. Meist kleinstrukturierte bäuerliche Familienbetriebe sorgen mit viel Leidenschaft und Hingabe für die Fische. Im Fokus stehen Forellen, Saiblinge, Karpfen, Welse, Reinanken (Maränen) aber auch Garnelen und Produkte aus Aquaponik. Die Betriebe bilden oft die gesamte Wertschöpfungskette – von der Kinderstube der Fische bis hin zur Direktvermarktung im Hofladen – ab. Auch für Quereinsteiger ist die Branche attraktiv.

Dafür steht heimischer Fisch aus Österreich:

  • Regionalität
  • besondere Frische durch kurze Transportwege
  • höchste Produktionsstandards
  • Lieferant hochwertiger, mehrfach ungesättigter Fettsäuren (Omega 3)
  • hohe Menge an leicht verdaulichem Eiweiß sowie wertvolle Vitamine und Mineralstoffe
  • niedriger CO2 Ausstoß
  • sinnhafte Beschäftigung durch sogenannte „Green Jobs“
  • meist jahrhundertealte Tradition
  • Biodiversität und Prägung unserer Kulturlandschaft

Interessiert an Beratung im Bereich der Aquakultur?

Für alle Interessierten bieten die Landwirtschaftskammern Beratungen im Bereich Aquakultur an. Von der Grundberatung über die Förderberatung bis hin zur Spezialberatung gibt es Hilfestellung für Aquakultur in den Bereichen Forellenerzeugung, Karpfenteichwirtschaft oder Fischaufzucht in Indoor-Kreislaufanlagen.

Infos zur Grundberatung

Infos zur Förderberatung

Infos zur Spezialberatung

© Daniela Zimmermann/LK NÖ

Bachforelle

© Florian Kainz/Archiv Aqua

Saibling

© Daniela Zimmermann/LK NÖ

Karpfenfilet

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Woher bekomme ich österreichischen Fisch?

Unter dem Menüpunkt Bezugsquellen Fisch findest du Betriebe bei denen frischer, regionaler Fisch aus Österreich erhältlich ist.

AquaNews – laufend bestens über Fisch informiert:

Für alle Fischinteressierten haben die Landwirtschaftskammern Österreichs den kostenfreien Newsletter „AquaNews“ eingerichtet. Aktuelle Informationen und Entwicklungen aus der Aquakultur wie Medienberichte, relevante Neuigkeiten aus der EU, dem Bund und den Ländern, wissenschaftliche Erkenntnisse, Einblicke in gesetzliche Änderungen, relevante Jobangebote und Veranstaltungstipps werden an die Mailadresse geliefert.

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Die Berichterstattung erfolgt über den Österreichischen Verband für Fischereiwirtschaft und Aquakultur (ÖVFA) im Rahmen des Projektes ACFA II (austria communicates fisheries and aquaculture):