Heimische Fischproduktion: Forellenzüchter fordern bessere Rahmenbedingungen
Rettenegg (Steiermark) – Am Dienstag, den 24. Februar 2026, fand die Jahreshauptversammlung des Verbandes Österreichischer Forellenzüchter mit anschließender Fachtagung bei der Fischzucht Kroisleitner in Rettenegg statt. Die gut besuchte Veranstaltung unterstrich einmal mehr den starken Zusammenhalt innerhalb der Branche.
Geschlossenheit und klare Worte bei der Jahreshauptversammlung
Obfrau Mag. Helga Bültermann-Igler und Geschäftsführerin Gerlinde Schmidsberger führten durch die Jahreshauptversammlung. Besonders erfreulich: Der Verband wächst kontinuierlich und zählt aktuell 119 aktive Mitglieder.
Bei den Neuwahlen wurde Obfrau Helga Bültermann-Igler (Forellenzucht Igler in Stattegg bei Graz) in ihrer Funktion bestätigt. Als neuer Stellvertreter stellte sich Andreas Hofer (Fischzucht Feld am See in Kärnten) zur Verfügung. Mit dieser Doppelspitze sieht sich der Verband gut für die kommenden Herausforderungen gerüstet.
Emotional und intensiv diskutiert wurde das Thema Wasserrecht und die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie. Zahlreiche Betriebe sind mit Sanierungsauflagen, Einschnitten bei der Wasserversorgung der Fischzucht aufgrund erhöhter Restwasseranforderungen für die Fließgewässer oder Vorgaben zur Gewässerdurchgängigkeit konfrontiert. Gerade für langjährig bestehende Standorte stellen diese Maßnahmen große Herausforderungen dar – insbesondere vor dem Hintergrund sinkender Wasserverfügbarkeiten durch den Klimawandel. „Das heißt einem Betrieb kann es passieren, dass er plötzlich nur mehr die Hälfte, oder bei manchen Standorten noch weniger, der ursprünglich bewilligten Wassermenge für seinen Betrieb nutzen kann. Das gefährdet die wirtschaftliche Existenz bestehender Betriebe und wirkt extrem nachteilig auf Fragen der Betriebsnachfolge“, appelliert Bültermann-Igler an die Politik. „Das ist, wie wenn man einem Häuslbauer nach Einzug ins Einfamilienhaus vorschreibt, nachträglich das Wohnzimmer baulich zu verkleinern, und damit argumentiert, dass das beispielsweise aus Klimaschutzgründen notwendig ist, damit weniger geheizt werden muss“, zieht Obfrau Bültermann-Igler einen bildhaften Vergleich. Sie vermisst damit absolut die Planungssicherheit und sieht damit verbunden große wirtschaftliche Einschnitte für die gesamte Branche. „Immerhin haben die Betriebe eine aufrechte Wasserrechtsbewilligung“, so Bültermann-Igler.
Sie brachte die Stimmung der Branche klar auf den Punkt: „Österreich produziert nur rund acht Prozent des hier konsumierten Fisches selbst. Wenn wir den politischen Wunsch nach mehr heimischer Produktion ernst nehmen, dann brauchen unsere Betriebe praxistaugliche Lösungen im Wasserrecht. Es darf nicht sein, dass bestehende Produktionsstandorte durch bürokratische Zielkonflikte gefährdet werden. Wir sichern Arbeitsplätze, Wertschöpfung und regionale Versorgung – dafür brauchen wir verlässliche Rahmenbedingungen.“
In der Diskussion wurde deutlich, dass hier ein Spannungsfeld besteht: Während im nationalen Strategieplan für Fischereiwirtschaft und Aquakultur eine Steigerung der Produktion angestrebt wird, führen wasserwirtschaftliche Vorgaben im Rahmen des Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplans (NGP) in einigen Fällen zur existenziellen Bedrohung für bestehende Betriebe.
Aus dem Vorstand verabschiedet wurde Karl Maier, der über 30 Jahre ehrenamtlich tätig war. Ihm wurde von Obfrau Bültermann-Igler und Geschäftsführerin Schmidsberger ein Geschenk und großer Dank für sein langjähriges Engagement überreicht.
INFOKASTEN FACHVORTRÄGE
Fachvorträge mit Tiefgang und Praxisbezug
Die anschließende Tagung wurde vom Ländlichen Fortbildungsinstitut (LFI) NÖ unter der Schirmherrschaft des Verbandes Österreichischer Forellenzüchter und in Zusammenarbeit mit den Landwirtschaftskammern (LKn) organisiert.
Fischgesundheit und innovative Ansätze
Dr. med. vet. Heinz Heistinger, Fachtierarzt und Präsident des Österreichischen Kuratoriums für Fischerei und Gewässerschutz (ÖKF), referierte über aktuelle Herausforderungen in der Parasitenbekämpfung und Biosicherheit für den Fischbestand. Besonders spannend waren Einblicke in aktuelle Forschungsarbeiten an der Veterinärmedizinischen Universität Wien zur RNA-Interferenz als potenziell neuer Ansatz zur Kontrolle der Drehkrankheit (Myxobolus cerebralis) bei Salmoniden. Erste Arbeiten im Rahmen laufender Dissertationen gelten als vielversprechend.
Wasserrecht als dominierendes Thema
Ing. Stefan Wittkowsky beleuchtete die komplexen wasserrechtlichen Rahmenbedingungen unter Berücksichtigung der Wasserrahmenrichtlinie. In der Diskussion zeigte sich deutlich, wie schwierig es für betroffene Betriebe ist, die umfangreichen rechtlichen Vorgaben und Verfahrensabläufe als Nicht-Juristen zu überblicken. Besonders herausfordernd sieht man die Sanierungsauflagen und Anpassungen für bestehende Fischzuchtanlagen, trotz aufrechter wasserrechtlicher Bewilligung.
Interessensvertretung und strategische Ausrichtung
DI Melanie Haslauer informierte über aktuelle Aktivitäten der Interessensvertretung im Dachverband (Österreichischer Verband für Fischereiwirtschaft und Aquakultur – ÖVFA). Im Mittelpunkt standen die Produktionseinschnitte in der Wasserversorgung der Forellenzuchten aufgrund des Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplans (NGP) und die damit einhergehenden Zielkonflikte mit den Wachstumszielen der strategischen EU-Leitlinien zur Aquakultur sowie der Nationalen Aquakulturstrategie. Um die Auswirkungen auf bestehende Betriebe und Produktionsmengen belastbar darzustellen, werden bundesweit Daten erhoben, wie viele Standorte tatsächlich betroffen sind. Bundesobmann DI Markus Payr betonte zudem, dass das in einer BOKU-Studie ausgewiesene Produktionspotenzial im Forellenbereich derzeit nur zu rund 10 % ausgeschöpft wird – strategische Zielkonflikte erschweren Investitionen und Wachstum. „Bei der hohen Importabhängigkeit und dem geringen Ausschöpfungsgrad des Potenzials geht es um jeden Betrieb – wir fordern, dass die heimische Fischproduktion als überwiegendes öffentliches Interesse anerkannt wird. Die bestehenden Betriebe sind das Rückgrat der österreichischen Fischversorgung und müssen erhalten bleiben“, so Payr.
Praxisforum: Neue Vermarktungswege rechnen sich
Im Praxisforum berichteten Fischereimeister Andreas Jobst (Forellen Jobst, Kärnten) und Fischereimeister Ulrich Bültermann (Forellenzucht Igler in Stattegg, Steiermark) über innovative Vermarktungsstrategien.
Andreas Jobst zeigte, dass sich sein Fischautomat direkt beim Betrieb rasch amortisiert hat. Der Onlineshop hingegen sei deutlich arbeitsintensiver. Seine Vermarktung begleitet er erfolgreich mit einem professionellen Instagram-Auftritt, wodurch neue Kundengruppen angesprochen werden.
Ulrich Bültermann stellte seinen neu errichteten Selbstbedienungsladen vor. Unerwartet herausfordernd war dabei die Implementierung eines passenden Kassensystems, das mit bestehenden Betriebsprogrammen kompatibel ist. Der Standort in der Nähe von Graz erweist sich als großer Vorteil. Beide Betriebe betonten, dass sich die Investitionen in ihrem Fall gelohnt haben und neue Kundengruppen erschlossen werden konnten.
Highlight: Vorzeigebetrieb Kroisleitner in Rettenegg
Ein besonderer Höhepunkt der Tagung war die Betriebsvorstellung und Besichtigung der Fischzucht Kroisleitner.
Fischereimeister Franz Kroisleitner führt den Fischzuchtbetrieb, den sein Vater vor rund 40 Jahren aufgebaut hat, mit großem Engagement weiter. Er absolvierte im letzten Jahrzehnt sowohl die Facharbeiterausbildung als auch die Meisterprüfung in der Fischereiwirtschaft.
Im vergangenen Jahr wurde eine moderne Schaufischzucht eröffnet, die in der Region äußerst positiv aufgenommen wird. Der Bau dauerte rund drei Jahre, da ein Großteil der Arbeiten in Eigenregie umgesetzt wurde. Errichtet wurde der Schaubetrieb mit eigenem Holz aus dem Forstbetrieb der Familie – ein eindrucksvolles Beispiel für nachhaltige Kreislaufwirtschaft. Zahlreiche Führungen fanden bereits statt bzw. sind gebucht.
Am Standort stehen 90 Liter Quellwasser pro Sekunde zur Verfügung – ein entscheidender Standortvorteil. Das Grundstück konnte glücklicherweise erworben werden. In Fließkanälen, Rundbecken und einem eigenen Bruthaus werden jährlich rund 16 Tonnen Besatz- und Jungfische aufgezogen.
Neben der Schaufischzucht führt die Familie weitere Fischzuchtstandorte (teils in Kooperationen), einen Forstbetrieb und rund 20 Milchkühe. Der Gastronomiebetrieb „Fisch Alm“ bei der Schaufischzucht wird regional sehr gut angenommen. Der gesamte Betrieb ist ein echtes bäuerliches Familienunternehmen: Ehefrau Renate führt den Betrieb mit, Sohn Franz Jakob hat bereits mit der Facharbeiterausbildung begonnen, und Tochter Johanna unterstützt den Familienbetrieb neben der Schule.
Zum Abschluss der Veranstaltung stand die Besichtigung der Fischzucht am Programm. Die 85 Teilnehmenden zeigten sich vom Vorzeigebetrieb und der neu eröffneten Schaufischzucht beeindruckt – entsprechend groß war die Begeisterung bei den Gesprächen entlang der Anlage. Bei einem stimmungsvollen Ausklang mit einem großzügigen Fischbuffet – mit geräucherten und gebeizten Spezialitäten über Fischterrine bis hin zu Fischsulze – wurde noch lange gustiert, geplaudert und fachlich diskutiert. Der Abend bot damit einen würdigen Abschluss einer rundum gelungenen Veranstaltung und unterstrich einmal mehr die Bedeutung des persönlichen Austauschs innerhalb der Branche.
Die Veranstaltung und Berichterstattung wurde im Rahmen des Europäischen Meeres-, Fischerei- und Aquakulturfonds (EMFAF) 2021–2027 gefördert.